Thinktank warnt: Halbe Republik „am Staatstropf“
Diese Überschrift auf S. 1 der Salzburger Nachrichten vom 27. Oktober 2026 ist mehr als polemisch und kann so nicht hingenommen werden. Es werden dabei die Pensionist:innen, die Bediensteten des öffentlichen Dienstes und die Sozialleistungsbezieher:innen in einen Topf geworfen. Diesen drei Gruppen werden die Erwerbstätigen in der Privatwirtschaft gegenübergestellt. Zugleich wird die Forderung aufgestellt, dass eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit, ein Rückbau bei den öffentlich Bediensteten und eine stärkere Aktivierung von Arbeitslosen dringend geboten ist. Ist es tatsächlich seriös, drei ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen über einen Kamm zu scheren? Ich möchte diese Gruppierungen trennen und folgende Punkte anführen:
- Es ist nicht fair, immer wieder die Pensionist:innen so hinzustellen, als hätten sie nicht einen großen Beitrag dazu geleistet, dass Österreich immer noch ein sehr lebenswerter Staat ist. Gerade die Nachkriegsgeneration hat den Wohlstand geschaffen mit ihrer Arbeitsleistung, und damit verbunden mit ihren Abgaben.
- Zum öffentlichen Dienst gehören so viele Bereiche, die unverzichtbar für einen funktionierenden Staat und damit auch für unsere Demokratie sind. Ohne den großen Bereich der Bildung, der Justiz, der Finanz, der Polizei, des Bundesheeres, der Bediensteten in den Krankenhäusern und in der Pflege kann ich mir ein funktionierendes Gemeinwesen nicht vorstellen. Und diese Aufgaben werden auch in Zukunft trotz KI die Menschen, die großartige Arbeit leisten, benötigen.
- Die stärkere Aktivierung der Arbeitslosen klingt auf den ersten Blick einfach, ist es aber auch nicht. Denn dazu gehören auch Arbeitgeber, die z.B. ältere Arbeitslose beschäftigen wollen und nicht lieber auf billigere Arbeitskräfte - vielleicht sogar aus anderen Staaten - zugreifen.
Ich will Probleme nicht vom Tisch wischen und auch nicht schönreden, aber polemische Schwarzweißmalerei trägt wenig zur Lösung bei. Ich erwarte mir von den Salzburger Nachrichten eine tiefgründigere Berichterstattung.
Mag. Claudia Dörrich
Huttich 35
5201 Seekirchen